Fragenkatalog, 21.11.2011

Sehr geehrter Herr Thurow,

selbstverständlich haben wir keinerlei Einwände dagegen, dass Sie diesen Schriftverkehr im Rahmen Ihrer Bestrebungen für mehr Transparenz auf Ihrer Website veröffentlichen möchten. Wir würden uns dann allerdings freuen, wenn Sie der Öffentlichkeit auch unsere Antwortschreiben in Gänze präsentieren. Ich denke, das entspricht durchaus der Idee einer transparenten Darstellung der Vorgänge insgesamt.

Bezug nehmend auf Ihre u. a. Mail möchte ich zunächst kurz zum Ausdruck bringen, dass ich doch etwas überrascht bin, dass Sie sich ob der Berichterstattung der Medien zu Ihrem Unternehmen und der Arbeit Ihrer Branche im Allgemeinen derartige Sorgen machen. Vielleicht könnten Sie uns kurz mitteilen, auf welche Artikel, Radio- oder Fernsehsendungen Sie dabei konkret Bezug nehmen, damit wir diese Vorwürfe unsererseits konkret prüfen können.

Zu unserer Anfrage bzgl. eines Interviews und weiterer Dreharbeiten in Ihrem Haus:

Selbstverständlich bedauern wir es ausdrücklich, dass Sie sich nicht dazu durchringen können, uns ein Interview vor der Kamera zu geben. Zumal Sie auf Ihrer Website und in Ihrer Mail betonen, dass Sie ein Interesse an mehr Transparenz haben, der eine TV-Dokumentation und die damit verbundene öffentliche Diskussion ja nur dienlich sein kann. 

Darüber hinaus möchte ich betonen, dass wir uns keines journalistischen Fehlverhaltens bewusst sind, dass die einseitige Bewertung unserer Arbeit, die Sie in Ihrer Mail anklingen lassen, rechtfertigen würde. Da Sie, wie ich Ihrer Website entnehme, selbst als Journalist tätig waren oder sind, wissen Sie selbstverständlich, dass die investigative Recherche, wie wir sie im Telefonat mit Ihrer Kollegin verfolgt haben, zum Handwerkszeug eines objektiven Journalismus' gehört, in jedem demokratischen Staat der Welt.

Umso mehr hoffe ich, dass Sie uns mit der Beantwortung der folgenden Fragen, wie versprochen, dabei unterstützen werden, die Arbeit an dieser Dokumentation so präzise wie möglich zu gestalten. Vielen Dank im Voraus, dass Sie sich die Zeit nehmen, die folgenden Fragen zu prüfen und zu beantworten:

1. Für wie viele eingetragene Vereine ist das Unternehmen 'marketwing' derzeit tätig und wie hat sich diese Zahl in den vergangenen Jahren entwickelt?

2. Welchen Jahresumsatz erzielt Ihr Unternehmen mit der Tätigkeit für eingetragene Vereine und auch hier die Frage, wie hat sich diese Zahl in den vergangenen Jahren entwickelt?

3. Nach welchen Kriterien gestaltet sich die Bemessung der Kosten Ihrer Tätigkeit für eingetragene Vereine?

4. Ist es richtig, dass bei der Bemessung dieser Kosten mitunter auch erfolgsbezogene Kriterien eine Rolle spielen? Wenn ja, welche?

5. Wie verträgt es sich mit der ethischen Verantwortung, die Ihr Unternehmen auf seiner Website für sich in Anspruch nimmt, dass immer wieder Spendenbriefe einzelner Vereine, die Ihr Unternehmen gestaltet hat, aufgrund Ihrer Inhalte und Aufmachung von verschiedenen Personen und Institutionen, die in diesem Bereich seit langem tätig sind - darunter DZI und ADD -, massiv kritisiert werden? 

6. Wer ist für die Ausgestaltung der geplanten Kampagne mit einem Gesamtumfang von rd. 7 Mio. EUR verantwortlich, die Ihr Unternehmen für einen eingetragenen Verein, der bei Ihnen Kunde ist, entwickelt hat und die für diesen Verein zu einem Sammlungsverbot in Rheinland-Pfalz geführt hat, das gerichtlich bestätigt wurde? Wer hat die Planung dieser Kampagne ausgearbeitet? Und wie kommt es dass die geplanten Ausgaben für diese Kampagne in einem derart krassen Missverhältnis zu den aufgelisteten Finanzergebnissen für den Tierschutz stehen?

7. Ist es richtig, dass einer oder mehrere der Mitarbeiter Ihres Unternehmens zuvor "lange Jahre", wie uns berichtet wurde, für das Unternehmen SAZ in Garbsen tätig waren? Falls ja, wie lange war der betreffende Mitarbeiter bzw. die betreffenden Mitarbeiter dort tätig und in welcher Funktion?

8. Trifft es zu, dass einige der eingetragenen Vereine, die heute zu Ihren Kunden zählen, früher Kunde der Firma SAZ in Garbsen waren? 

9. Wie erklären Sie es sich, dass uns, nachdem wir vor wenigen Wochen zu Recherche-Zwecke eine Geldspende an einen der von Ihnen betreuten eingetragenen Vereine geleistet haben, vor kurzem ein Spendenbrief desselben Vereins erreicht hat? Ist es richtig, dass dieser Brief über Ihr Unternehmen an mich versendet wurde? Fals ja, wie sind Sie in den Besitz meiner Adresse gekommen, die in dieser Form nirgendwo gelistet ist?

Es tut mir leid, dass es gleich so viele Fragen sind. Wir hätten es auch vorgezogen, diese Punkte in einem Interview offen mit Ihnen zu klären. Dazu haben Sie uns leider keine Möglichkeit eingeräumt. Umso mehr hoffen wir, dass Sie uns mit der Beantwortung der o. a. Fragen nunmehr die Möglichkeit geben, diese Arbeit so gründlich wie möglich zu erledigen.

Abschließend noch zwei kurze Anmerkungen zu Fragen, die Sie in Ihrer Mail aufgeworfen haben: 

Wie Sie als Journalist wissen dürften, haben wir die Arbeit an dieser Dokumentation selbstverständlich schon vor etlichen Monaten aufgenommen (sonst wäre die Realisation eines Beitrages von 45 Minuten Sendelänge nicht bis zum Dezember abzuschließen). Das Buch, das Herr Loipfinger zum Thema im Oktober veröffentlicht hat, kann deshalb nicht Ausgangspunkt unserer Recherchen sein. Ich möchte deshalb davon absehen, öffentlich zu Ihren Behauptungen Stellung zu nehmen. Sie haben mit unserem Film nichts zu tun. 

Das Gleiche gilt für Ihren den Deutschen Fundraising Verband betreffenden Vorschlag. Auch er hat mit diesem Filmprojekt nichts zu tun, da nicht der Deutsche Fundraising Verband für die eingetragenen Vereine tätig ist, zu denen wir u. a. recherchieren, sondern eben Ihr Unternehmen. Ich wüsste deshalb nicht, inwiefern sich unsere o. a. Anfragen im Rahmen der von Ihnen skizzierten Talkrunde beantworten lassen sollten. 

Ich hoffe, ich habe Ihre Fragen damit beantwortet und würde mich meinerseits freuen, wenn Sie Ihrem Angebot nunmehr nachkommen würden, unsere Arbeit "nach Kräften" zu unterstützen.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir dabei an gewisse terminliche Planungen gebunden sind. Wir würden uns deshalb freuen, wenn Sie diese Mail in den nächsten Tagen, spätestens aber bis zum Abend des 23.11.2011 beantworten könnten.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Mühen.

Mit freundlichen Grüßen

Hauke Wendler

 

Antwort vom 23.11.2011:

 

Sehr geehrter Herr Wendler,

erst einmal vielen Dank für Ihr Verständnis, dass wir Ihre Fragen gern schriftlich beantworten möchten. Einer objektiven Berichterstattung zum Thema Spendenwerbung stehen wir im Übrigen uneingeschränkt offen gegenüber. „Sorgen“ bereiten uns hingegen Bücher, wie jenes des Herrn Loipfinger, in denen das möglicherweise kritikwürdige Vorgehen einzelner Organisationen oder Agenturen pauschal auf eine gesamte Branche übertragen wird. Die Tatsache, dass laut charitywatch.de inzwischen mehr als 20 Juristen im Auftrag von gemeinnützigen Organisationen gegenüber dem Verlag ihren Protest zu verschiedenen Aussagen geäußert haben, gibt uns, glaube ich, nur recht. Keinerlei Sorgen machen uns hingegen objektive Berichterstattungen zum Thema Spendenwerbung, die nicht auf einseitig gewollte Negativschlagzeilen in der Vorweihnachtszeit hinzielen. Für Ihre investigative Telefon-Recherche habe ich übrigens vollstes Verständnis – aber auch Interesse daran, dass sämtliche Inhalte dann wahrheitsgemäß und richtig verstanden wiedergegeben werden.

 Zu Ihren Fragen: Sicher können Sie nachvollziehen, dass wir unsere Umsatzzahlen und andere Interna gegenüber Mitbewerbern nicht unbedingt in aller Öffentlichkeit kommuniziert sehen wollen. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass marketwing seine Dienstleistungen zu marktüblichen Preisen anbietet: Im Jahre 2009 und 2010 haben wir nicht zuletzt auch aus diesem Grunde zwei bundesweite Ausschreibungen namhafter Organisationen mit jeweils mehr als fünf Teilnehmern gewonnen. Die Bemessung unserer Angebote für Direktmarketing-Dienstleistungen setzen sich in der Regel aus Datenbank/EDV, Adressmiete, Produktion, Produktionssteuerung, Text und Gestaltung zusammen. Erfolgsbeteiligungen sind bei der Erwirtschaftung von Spendengeldern generell ausgeschlossen, um damit gleich Ihre Frage Nr. 4 zu beantworten.

 Zu Frage 5: Weder DZI, noch ADD haben uns als Fundraising-Dienstleister gegenüber Kritik an der Art und Weise der Spenderkommunikation unserer Auftraggeber geäußert. Wir handeln ausschließlich im Auftrag und in Absprache mit unseren Kunden. In der Praxis heißt das: Die Organisation liefert Themen und Projektbeschreibungen, für die unsere Agentur einen Gestaltungsentwurf erarbeitet. Wie generell in der Zusammenarbeit mit Marketing-Agenturen üblich, werden diese erst nach Korrektur und Freigabe durch den inhaltlich verantwortlichen Kunden produziert. Uns ist nicht bekannt, dass einer unserer Kunden „massiv für seine Spenderkommunikation kritisiert“ wurde – abgesehen vielleicht von Herrn Loipfinger.

 Zu Frage 6: Unser Unternehmen hat keine „Kampagne mit einem Gesamtumfang von rd. 7 Mio. Euro“ entwickelt. Wir haben für einen eingetragenen Verein nach dessen Vorgaben eine Planung erstellt, die ein Gesamtvolumen von rd. 4,6 Millionen Euro für 3 Jahre beinhaltete. Rund die Hälfte dieser Summe fielen auf Versandkosten und andere externe Leistungen, die nicht im Zusammenhang mit unserer Agenturleistung für Datenbank/EDV-, Kreation, Produktion usw. stehen. Auch hier handeln wir eben nur als Dienstleister und haben somit keinen Einblick in die Gesamteinnahmen- und Ausgabensituation eines Vereins.

Frage 7: Es ist Fakt, dass mein Kollege Hans-Joachim Eisenschmidt neben einem anderen Geschäftsführer, der für den Bereich Finanzen/Controlling gewesen ist, für diesen Subdienstleister in leitender Funktion tätig war. Herr Eisenschmidt trug in dieser Zeit Verantwortung für einen vergleichweise kleinen Mitarbeiterstamm, der mit Kreativ- und Produktionsleistungen betraut wurde. Das betreffende Unternehmen hat seinerzeit ausschließlich auf Anweisung der Muttergesellschaft in der Schweiz für deutsche Organisationen ohne internationalen Background gearbeitet. Alle Kunden waren zu dieser Zeit Vertragspartner der Schweizer Gesellschaft. Uns ist in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, dass die SAZ-Gruppe und marketwing GmbH nichts miteinander zu tun haben, insofern ist mir der Hintergrund für Ihre Frage nicht ganz ersichtlich. Wir legen wert drauf, dass dies nach außen auch klar kommuniziert wird. Das, was marketwing von anderen FR-Dienstleistern unterscheidet, mag womöglich ein Grund dafür gewesen sein, warum einige Organisationen in der Vergangenheit von verschiedenen anderen FR-Agenturen zu marketwing gewechselt sind (als Antwort auf Ihre Frage 8).

Zur Frage 9: Was Ihre Spende an eine leider von Ihnen noch nicht genauer definierte Organisation betrifft, bitten wir Sie, sich direkt an diese zu wenden. Um Ihnen die gewünschte Auskunft geben zu können benötigt die betreffende Organisation jedoch die genaue Adresse bzw. die Förderernummer, unter der Sie angeschrieben worden sind. Zu Ihrer Info: Jeder Verein verbucht eine Spende in einer Datenbank. Wenn Sie auf Ihrem Überweisungsträger eine Adresse angegeben haben, wird diese auch in der Datenbank abgelegt.

Ich hoffe, Ihnen mit unseren Ausführungen weitergeholfen zu haben. Ich würde mich freuen, wenn wir uns in unserer positiven Erwartungshaltung Ihrer journalistischen Arbeit gegenüber bestätigt sehen werden.

Gegenüber dem Buch „Die Spendenmafia“ prüfen übrigens auch wir zur Zeit juristische Schritte in Bezug auf Formulierungen, die der Autor in Zusammenhang mit unserem Unternehmen gewählt hat. Lieber wäre es mir, man hätte einen durchaus kritischen, aber unvoreingenommenen und sachlich zutreffenden Weg der Berichterstattung gewählt.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Thurow

DDV
Datenschutz

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Mehr Infos: www.ddv.de
DFV
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marketwing ist Mitglied im Deutschen Fundraising Verband. Als Sponsor und Mitorganisator des Deutschen Fundraising Preises würdigen wir einmal im Jahr besonderes Engagement im gemeinnützigen Bereich. Er wird im Rahmen des Fundraising Kongresses im Frühjahr verliehen und findet bundesweite Beachtung.

Prämiert werden die Beste Fundraising Innovation und die Beste Fundraising Kampagne eines Jahres sowie der Jury- Preis für besondere Verdienste im Fundraising. Der Deutsche Fundraising Preis ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert.

Mehr Infos: www.fundraising-preis.de
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voices Agentur für Fundraising und Dialogmarketing aus Berlin ist unser Partner im Bereich Infostand-Werbung. Von Berlin aus zeigt das erfahrene und gut geschulte voices-Team dort Präsenz, wo Menschen für Fundraising-Themen offen sind: in Fußgängerzonen und an anderen stark frequentierten Plätzen.

voices handelt im Auftrag und im Namen gemeinnütziger Organisationen. Mit Charme und Überzeugungskraft informieren die Experten über wichtige humanitäre Ziele und Projekte und gewinnen so neue Freunde und Förderer.

Mehr Infos: www.yourvoices.de